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Ziele, Performancemanagement und die Kunst des Löwen-Trackings

Müssen Ziele immer SMART sein? Ein Gedankenexperiment mit Kolumbus, Fleming und der Kunst des Löwen-Trackings, und was das für HR-Performance-Management bedeutet.

Im Enterprise Performance Management, wie im Leben, sind wir darauf getrimmt zu glauben: kein Ziel, kein Ergebnis. „Kein Wind ist dem Seemann günstig, der kein Ziel hat“ ist nur eine von vielen Spielarten dieses Ziel-Wahns. Und nicht irgendwelche Ziele: Sie müssen SMART sein, spezifisch, messbar, erreichbar, relevant und terminiert. Auch wenn das SMART-Mantra aus der Unternehmenswelt stammt, werden ähnliche Regeln oft aufs Leben insgesamt übertragen. Jungen Menschen wird gesagt: Wer nicht weiß, was er erreichen will, und dieses Ziel nicht konsequent verfolgt, vergeudet sein Leben.

Dieser Artikel soll zum Nachdenken anregen, und dazu gehört auch etwas Provokation. Halten Sie also Ihre Blutdrucktabletten griffbereit: Die berühmtesten Leistungsträger der Geschichte sind an ihren eigenen Zielen oft komplett gescheitert.

Sind SMARTe Ziele wirklich in jeder Lebenslage so entscheidend, wie gern behauptet wird? Angeregt durch Boyd Vartys Buch The Lion Tracker’s Guide to Life habe ich einige dieser Annahmen und ihre Bedeutung im Enterprise Performance Management hinterfragt. Keine Sorge: Ich will Sie nicht dazu bringen, Ziele grundsätzlich über Bord zu werfen. Sie sind ein fundamentaler Bestandteil von Führung. Ich möchte nur etwas Denkstoff liefern, um die Diktatur des Zielmanagements und seine Macht über unser Leben zu hinterfragen.

Post-it-Zettel mit der Aufschrift „Set Goals“

Leistungsbeurteilung: Christoph Kolumbus erreicht 0 % seines Ziels

Die meisten großen Entdecker haben sich schlicht furchtbar verirrt. Bevor es um Löwen-Tracker und HR geht, zunächst zu Christoph Kolumbus. Sein Ziel: Indien. Als er dort ankam, wo er Indien vermutete, war er tatsächlich weiter von seinem Ziel entfernt als zu Beginn der Reise. Nach den Regeln modernen HR-Managements: ein kompletter Fehlschlag. Und doch wurde er reich belohnt, gilt bis heute als bekanntester Entdecker der Geschichte und, neben vielem anderen, trägt ein ganzes Land seinen Namen.

Mein Lieblingsentdecker ist Luís Vaz de Torres. Der spanische Kapitän stach vom heutigen Chile aus in See, mit dem Ziel, den „Großen Südkontinent“ zu finden, den man zu Recht in der Gegend des heutigen Australien vermutete. Er schaffte es, durch die schmale Passage zwischen Australien und dem indonesischen Archipel zu segeln, und meldete zurück: „Da ist nichts!“ Auch er verfehlte sein Ziel vollständig, entdeckte dabei aber die Meerenge, die heute nach ihm benannt ist: die Torres-Straße.

Segelschiff kämpft sich durch eine stürmische See

Die Perspektive des Löwen-Trackers auf Ziele

„Ich habe keine Ahnung, wohin wir gehen, aber ich weiß genau, wie wir dorthin kommen.“

Boyd Varty, The Lion Tracker’s Guide to Life

Was heißt das?

Ein Löwen-Tracker versucht, Löwen im afrikanischen Busch aufzuspüren, meist in einem Nationalpark oder Schutzgebiet, damit die Guides einer Lodge Gästen die Tiere zeigen können. Dabei nutzen sie die uralte Kunst des Spurenlesens: Fußabdrücke, Kot, geknickte Gräser, das Verhalten anderer Tiere. Sie wissen nie, wohin die Spur führt. Vielleicht finden sie gar keinen Löwen, sondern die Spur führt zu einer Büffelherde, bevor sie sich verliert. Was sie immer wissen, ist, wie sie einem noch unbekannten Ziel entgegengehen. Wie jede Analogie hat auch diese ihre Grenzen, aber ich finde sie hilfreich, um eigene Annahmen zu hinterfragen.

Mehrere Personen betrachten gemeinsam Tierspuren im Sand

Sir Alexander Fleming: gefeuert wegen Zielverfehlung, trotz Millionen geretteter Leben?

Müssen wir immer wissen, wohin uns eine Reise führt? Oder ist es manchmal richtig, sich von Umständen, Methode oder Instinkt leiten zu lassen und zu sehen, was wir finden? Kann solche Zufälligkeit für Unternehmen und HR relevant sein? Überall dort, wo Kreativität und Innovation gefragt sind, können enge Ziele kontraproduktiv wirken. Erinnern Sie sich an Sir Alexander Fleming, den Entdecker des Penicillins. Er suchte nach etwas völlig anderem und wäre an jeder modernen „Clean Desk“-Zielvorgabe gescheitert, weil er ein Experiment vergaß, während er im Urlaub war. Hätten wir unter striktem Enterprise Performance Management vielleicht Millionen Tote mehr gehabt, bevor dieser Durchbruch gelang?

Bakterienkulturen unter dem Mikroskop

Liebe HR-Abteilung, ist das Performance-Management zu eng?

Wie oft schweifen wir gerade in Team-Diskussionen von planmäßigen Pfaden ab und stellen später fest, dass die scheinbar „verschwendete“ Zeit eine unerwartete Idee oder eine besonders wertvolle Lösung hervorgebracht hat? Wenn enge Ziele Mitarbeitenden nicht erlauben, sich links und rechts des kürzesten Weges zum Ziel umzuschauen, wird Kreativität abgewürgt. Vielleicht müssen Ziele manchmal offener sein, was oft bedeutet, sich vom SMART-Paradigma zu verabschieden:

Wie stellen wir sicher, dass unsere Organisation auf ihre Ziele hinarbeitet, ohne dass der nächste Spencer Silver seine Entdeckung verwirft, aus der später die Haftnotiz wurde, nur weil sie nicht auf sein Ziel einzahlte, einen extra starken Klebstoff zu entwickeln?

Leopard hinter Gittern

Geben Sie nicht Ihrem HR-System die Schuld an erstickter Agilität

Natürlich denke ich dabei an Ziel- und Performance-Management-Systeme wie SAP SuccessFactors PMGM. Solche Systeme tragen immer das Risiko, einen starren Prozess zu erzwingen, der wertvolle Ansätze abwürgt, nur weil sie vom vorgegebenen Pfad abweichen. Aber wenn Sie jemanden mit einem Schal erwürgen, ist das ja such nicht die Schuld des Schals.

Dartscheibe

Würde ein Löwen-Tracker SAP SuccessFactors PMGM nutzen?

Moderne Lösungen, auch SAP SuccessFactors, lassen sich so konfigurieren, dass genug Freiraum bleibt:

Eine moderne IT-Lösung für Ziele und Performance sollte es eigentlich leichter machen, Ziele mit genug Spielraum für Kreativität und Agilität zu verwalten. Sie muss nur richtig eingeführt werden, was oft ein Überdenken der eigenen Richtlinien und Prozesse erfordert, nicht nur des Systems. Ob Ihr Team in der Produktion arbeitet, über Büros in 18 Zeitzonen verteilt ist oder ständig unterwegs bei Kund:innen ist: Das System sollte rund um die Uhr für Updates und Statusabfragen erreichbar sein, Leistung und Veränderungen laufend nachverfolgen können, und das persönliche Gespräch ergänzen, nicht ersetzen.

Solange HR den Schal nicht zu fest um den Hals der Führungskräfte zieht, kann eine einfach zu bedienende mobile Lösung wie SuccessFactors dabei helfen, in einem agilen Umfeld den Überblick zu behalten. Mit den falschen Richtlinien oder der falschen Kultur kann sie Agilität aber genauso leicht abwürgen.

Wenn dieser Artikel bei Ihnen Gedanken oder sogar Zweifel an Ihrem aktuellen Prozess-Setup ausgelöst hat: Ziel erreicht. Sprechen Sie mich gern an, ich kenne Menschen, die dabei helfen können, das zu beheben, mit Strategie, Prozess und System zusammen.

Zurück zum Löwen-Tracking

Eine Antwort auf die Frage von oben bin ich noch schuldig, auch wenn Sie sie vermutlich schon kennen: Die Vorstellung, ein Löwen-Tracker würde eine SuccessFactors-App mit in den Busch nehmen, wäre eindeutig zu weit hergeholt. Aber würden Tracker ein Performance-Management-System nutzen, dann wäre es wohl SAP SuccessFactors, oder?

Safari-Guide mit Smartphone in der Hand

Wer über Zielmanagement hinausdenken möchte, dem empfehle ich The Lion Tracker’s Guide to Life sehr. Das Buch verpackt schwere Themen wie die eigene innere Spur, ganzheitliche Wahrnehmung von Zusammenhängen und den Sinn des eigenen Tuns in eine kurze, leicht lesbare Geschichte. Glauben Sie mir: Sie sollten deutlich mehr Zeit zum Nachdenken einplanen als zum Lesen.

Und wenn Sie ein paar Tage für Out-of-the-Box-Denken nutzen möchten, umgeben und inspiriert von echter Wildnis: Lassen Sie uns sprechen. Ich wollte schon länger einen naturbasierten Design-Thinking-Workshop zu HR-Prozessen und -Systemen irgendwo in Ostafrika anbieten. Es gibt keinen besseren Zeitpunkt, als jetzt ein paar wirklich offene Köpfe dafür zusammenzubringen. Nichts öffnet den Blick für unkonventionelle, pragmatische Lösungen so wie unverfälschte Natur. Mehr zu diesem Angebot auf der Seite Perspektivwechsel in Kenia.

Gruppendiskussion im afrikanischen Busch
Löwen in Nahaufnahme

Ziel: Wild denken, in der Wildnis.

Zuerst veröffentlicht auf LinkedIn, 3. Juli 2025: Corporate HR, Goals&Performance and Lion Tracking.